Ratssaal

Gemälde


Frank van Hemert

Zeitraum der Veranstaltung
Donnerstag, 18. Oktober 2018 - Freitag, 02. November 2018



Beschreibung der Veranstaltung
Frank van Hemert, geboren 1956 in Kerkrade, wohnt und arbeitet in Starnmeer / Nordholland. Nach einer Lehrerausbildung studierte er 1980-82 in Haarlem in dem unabhängigen Künstlerinstitut "Ateliers '63".

Seit Jahren ist er in der niederländischen Kunstszene etabliert, kann auf bedeutende Ausstellungen verweisen, darunter der documenta 7 von 1982, aber auch im Kunstverein Siegen 2006, im Siegerland-Museum Siegen 2008, im Gustav-Lübcke-Museum Hamm 2009, in der Galerie Bengelsträter 2017, auf Kunstmessen in ganz Europa und auf zahlreiche öffentliche und private Sammlungen, in denen seine Werke vertreten sind. Seine letzte große Ausstellung hatte er in Johannesburg in Südafrika.

Der Künstler setzt sich mit existenziellen Fragen des Menschen auseinander. Er malt Bilder in Serien. In Plettenberg zeigt er Frauenbilder und Männerbilder.

Die Eröffnungsrede von Volker Hauer:

Verehrte Gäste,
Frank van Hemert ist ein seriell arbeitender Künstler.Aber was bedeutet das überhaupt in der Kunst?
Der Erfinder der seriellen Malerei im engeren Sinne ist der Renaissance-Maler Jacopo Tintoretto (Hauptphase seines Schaffens um 1540).Er war der erste Künstler,der keine Kopien anfertigte von einem Werk,sondern die Elemente des Themas eines Werkes(zB.apokalyptische Gemälde von Pestwellen in Venedig) zerlegte und diese für ein nächstes Werk zusammenfügte.So steigerte sich die Wahrnehmung und Tintoretto erkannte schnell,wie wichtig hierbei das räumliche Element,die Bewegung im Bild ist.Stürzende ,taumelnde Körper in verdrehten Achsen steigerten das sinnliche Empfinden der Betrachter.Mit dieser Technik und Didaktikerweiterung schaffte Tintoretto die Abkehr von der reinen Repräsentation hin zu einem Geflecht der Blicke und Gefühle.Dadurch wurde bedeutsam,was sich vor aller Augen abspielte,alle sollten alles sehen.Das Konzept von Öffentlichkeit und echter Wahrhaftigkeit entstand!! Also Gestaltete Wirklichkeit.

Genau so geht Frank van Hemert in seinen Werken vor.Wir Betrachter werden angezogen von seiner Malerei,quasi reingesogen in die Bilder.Josef Albers sagte zu solchen Phänomenen:"Wir sehen nicht die Kunst an,die Kunst sieht uns an." Die Leuchtkraft seiner Farben,die er großflächig in expressiver Farbpalette mal figurativer,mal abstrakter aber immer stimmig und dynamisch in eine Komposition bringt,überzeugen das Publikum wie auch die Fachwelt.

Das alles beschreibt den "dionysischen" Gehalt seiner Arbeiten welcher unkalkuliert,wild und keinem Rezept folgend daher kommt.Frank van Hemert ist sich sogar oft selbst nicht sicher und auch selbstkritisch und selbstzweifelnd. Aber die Zweifel sieht man nicht in seinen Bildern,das ist das wichtige und professionelle.
Zitat von Frank van Hemert:"Kalkulierte Malerei macht mich wütend!!"

Es gibt aber auch noch einen geistigen,also"apollinischen" Teil in der Kunst Frank van Hemerts:
In diesem Teil beschäftigt er sich mit den Themen Schmerz,Ängste,Lebensenttäuschungen und vor allem Einsamkeit der Menschen,also Themen des existenziellen Erlebens und Daseins.Der Künstler beschäftigt sich zunächst sehr intensiv mit Personen des öffentlichen Lebens wie M.Monroe,Hölderlin oder Pina Bausch.Alle Personen waren existenziell einsam trotz ihres öffentlichen Medieninteresses,besonders tragisch bei M.Monroe und F.Hölderlin,welcher einsam und verwirrt als Stadtschreiber in Tübingen in einem Stadtturm wahnsinnig wurde.
Auch die Serie der Pina Bausch-Arbeiten "Komm tanz mit mir" beinhaltet Fragen der Existenz.Pina Bausch,die den modernen Ausdruckstanz nach der Erfindung von Martha Graham entscheidend weiterentwickelt hat,erfuhr in Wuppertal die ganze Härte der Gegner: Ausbuhungen des Publikums durch Verkennung der Kunst,die Ignoranz der NRW-Politik, die immer mit Geldentzug und Kündigung drohte oder auch die Morddrohungen mancher "Stalker".
Es gibt aber auch eine physische Schmerzgrenze eines Tänzers.Trainieren bis zur Selbstaufgabe,wild athletisch und dann wieder Selbstkontrolle und eiserne Disziplin.Das militärische Wort Tanzkompanie" verrät ja die Strapazen eines solchen Lebens wie bei Pina Bausch.Daher ist das Blut auf den Bildern nicht symbolisch gemeint sondern quasi echt!!
Er malt den Schmerz tatsächlich!! Auch hier "Gestaltete Wirklichkeit" wie bei Tintoretto.Edvard Munch ,der den Schrei malte,malte den Schrei ansich!! Nicht in symbolischer Hinsicht.
Die Männer an der linken Wandseite,also die Raumgenossen in diesem Ratssaal schweben im freien Fall,im Orkus
des Alls,vielleicht unverortet ohne festen Boden unter den Füßen,ein Merkmal der modernen Welt? Ein Hinweis auf das gestörte Verhältnis zwischen Männern und Frauen durch die Medienökonomie ? Gendermainstreaming, metoo und andere aufgeheizte Themen machen den Umgang der beiden Geschlechter untereinander nicht einfacher.
Die Männer wirken auch durch ihre geschmeidigen,verkrümmten Körper wie aus einem Chaplin Film.In "Moderne Zeiten" passt sich Charlie Chaplin den modernen Erwartungen so an, dass er geschmeidig durch die Zahnräder gleitet.
Sieht der Künstler sich selber auch in den Bildern als pars pro Toto? Und was ist mit seinen Blumenbildern? Blumen schenkt man zum Abschied und zur Begrüßung,der große Symbolgehalt in unserer Kultur ist unbestreitbar.Bei van Hemert symbolisieren die Blumen Frauen,welche am Bahnhof nach dem Krieg auf die Rückkehr ihrer Männer warten.
Das metaphorische in der Malerei ist hier auch ein starkes Moment.Aus diesem Grund verbietet sich eine allzu konkrete Deutung seiner Kunst,denn das würde zur Versimplifizierung führen,dann sind wir in der Fotografie.Der Künstler stellt uns Fragen,gibt uns Rätsel auf.Kunst ist eben eine eigene Sprache,die mit Farbe,Gefühl,Geruch von Ölfarben,Zeichen aber eben nicht mit Buchstaben,jedenfalls nicht in der Malerei arbeitet,es ist ein anderes Notationssystem.Eben Magie.
Oder wie der Soziologe Anthony Giddens das nennt:Kunst ist durch das Einbeziehen der fünf Sinne "das Fenster zur Welt" .Lassen sie mich am Schluß ein Zitat von Peter Sloterdijk anbringen:
"Die Kunst ist das letzte Asyl für denkende Menschen"


Veranstaltungsort
Ratssaal Rathaus Plettenberg

Hinweise zur Veranstaltung
Eröffnung der Ausstellung: Donnerstag, 18. Oktober 2018, 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr)

Einführung: Volker Hauer

Öffnungszeiten:
montags und mittwochs: 10:00 bis 16:00 Uhr
dienstags: 08:15 bis 16:00 Uhr
donnerstags: 10:00 bis 17:00 Uhr
freitags: 08:15 bis 12:00 Uhr

Folgende zusätzliche Öffnungszeiten werden angeboten, jeweils von 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr:

Samstag, 20.10.18,

Sonntag, 21.10.18,

Samstag, 27.10.18,

Sonntag, 28.10.18,

Donnerstag (Allerheiligen), 01.11.18,

Samstag, 03.11.18,

Sonntag, 04.11.18.

Preise
ohne Angabe